Beispiele aus dem aktuellen Katalog
Direktmaterial · Angebotsprüfung
Preisforderung im laufenden Vertrag
Ausgangslage
Ein Lieferant fordert eine Preiserhöhung für Präzisionsstanzteile und Strukturbaugruppen einer zentralen Fahrzeugplattform. Die Werkzeuge für drei kritische Teilefamilien liegen beim Lieferanten. Ein kurzfristiger Wechsel ist praktisch nicht möglich.
Lieferantenhebel
Der Lieferant setzt eine Rückmeldefrist von 30 Tagen und droht, neue Abrufe nicht mehr zu bestätigen.
Trainingsziel
Die Forderung auf maximal +4 % begrenzen, die Indexlogik angreifen und bei Bedarf eine stufenweise Anpassung verhandeln, um den Kosteneffekt zu strecken.
Was trainiert wird
Kostenargumentation unter Abhängigkeit, Widerstand gegen hohe Anker, Nachweispflicht, sauberes Tauschen von Zugeständnissen und Standfestigkeit, wenn Versorgungssicherheit als Druckmittel genutzt wird.
Verhandlung starten →Direktmaterial · Erstgespräch
Lieferausfall im Krisencall
Ausgangslage
Ein Lieferant meldet einen kritischen Lieferausfall bei Spritzgussgehäusen und Halterungen. Fünf Produktlinien hängen komplett an diesem Single-Source-Lieferanten. Es gibt keinen Sicherheitsbestand über drei Tage hinaus.
Lieferantenhebel
In weniger als 48 Stunden droht ein Produktionsstillstand. Der Lieferant kann die Krise nutzen, um Preiszugeständnisse, Pönalen-Waiver oder andere kommerzielle Entlastungen durchzusetzen.
Trainingsziel
Innerhalb von 72 Stunden belastbare Liefertermine sichern, das tatsächliche Ausmaß des Ausfalls verstehen und verhindern, dass Versorgungskrisen automatisch zu kommerziellen Zugeständnissen führen.
Was trainiert wird
Krisendruck aushalten, Informationsdisziplin halten, Versorgung sichern, ohne den eigenen kommerziellen Rahmen kampflos aufzugeben.
Direktmaterial · Erstgespräch
Einführung von Dual Sourcing
Ausgangslage
Der Einkauf informiert den bisherigen Single-Source-Lieferanten, dass eine Zweitquelle qualifiziert wird. Die neue Quelle ist in zehn Wochen einsatzbereit, der Volumensplit muss vor Q4 operativ wirksam sein.
Lieferantenhebel
Der Incumbent kann emotional reagieren, Retention-Angebote machen, Risiken überbetonen oder versuchen, die Grundsatzentscheidung wieder zu öffnen.
Trainingsziel
Die Dual-Sourcing-Entscheidung klar kommunizieren, Gegenwehr nicht mehr an die Grundsatzentscheidung heranlassen und Übergangsthemen sauber verhandeln.
Was trainiert wird
Reaktionsmanagement, klare Führung trotz Beziehungsspannung, Umgang mit Retention-Angeboten und Verhandlung von Übergangskonditionen ohne Rückfall in alte Abhängigkeit.
CAPEX / Industrieanlagen · Finalrunde
Single-Source-CAPEX-Anlage
Ausgangslage
Das Engineering hat einen bestimmten OEM für eine individuelle automatisierte Montagelinie vorgegeben. Wegen vorhandener Anlagenbasis und Steuerungsintegration gibt es weltweit praktisch nur diesen Lieferanten für die geforderte Konfiguration.
Lieferantenhebel
Die Linie muss in 22 Wochen laufen. Andernfalls droht gegenüber dem Kunden eine Vertragsstrafe von €40k pro Woche. Der Einkauf startet nahezu ohne Preishebel.
Trainingsziel
Den OEM-Listenpreis aktiv angreifen, belastbare Zugeständnisse bei Gewährleistung, Ersatzteilpreisen und Liquidated Damages für Inbetriebnahme verhandeln und die Sole-Source-Begründung governancefest dokumentieren.
Was trainiert wird
Verhandeln mit schwacher BATNA, Umgang mit Engineering-Druck, Absicherung von Nebenbedingungen und Vermeidung eines schnellen Abschlusses, der nur deshalb akzeptiert wird, weil die Ausgangslage unbequem ist.
Was diese Szenarien gemeinsam haben
In allen Fällen entsteht der Druck nicht künstlich. Er entsteht aus der Einkaufsrealität:
- hohe Lieferantenabhängigkeit
- Zeitdruck vor Vertragsende, Lieferstopp oder Produktionsrisiko
- interne Stakeholder, die schnelle Einigung erwarten
- technische oder operative Wechselkosten
- schwache BATNA
- kommerzielle Nebenbedingungen, die leicht unterschätzt werden
- Lieferanten, die Preis, Laufzeit, Zahlungsziel, Volumen oder Haftung miteinander verknüpfen
Genau dort entscheidet sich, ob der Einkauf Wert verteidigt oder ein Ergebnis nur deshalb gut wirkt, weil die erste Forderung noch schlechter war.
Was im Gespräch trainiert wird
Voice2Evolve trainiert nicht das Auswendiglernen guter Formulierungen. Trainiert wird das Verhalten im Moment:
- den ersten Preisanker nicht automatisch als Referenzrahmen akzeptieren
- unter Zeitdruck keine ungetauschten Zugeständnisse machen
- interne Schwäche nicht an den Lieferanten weiterreichen
- Schweigen, Drohung und Eskalation aushalten
- nachfassen, wenn Nachweise unklar bleiben
- Gegenleistungen verlangen, bevor Laufzeit, Volumen oder Zahlungsziel gegeben werden
- ein scheinbar gutes Ergebnis auf seinen wirtschaftlichen Gesamtwert prüfen
Die Lücke liegt selten in der Strategie.
Sie liegt in der Ausführung, wenn Druck entsteht.
Der Katalog ist der Startpunkt
Die Beispiele zeigen nur einen Ausschnitt. Im vollständigen Katalog finden Einkaufsteams Situationen für Direktmaterial, IT und Software, Services, Logistik, CAPEX und Bau. Jeder Kontext kann angepasst werden: Lieferant, Warengruppe, Vertragsstatus, kommerzielles Ziel, interne Reibung, Zeitdruck, Eskalationsrisiko und rote Linien.